Braten ist nicht Rühren!

Normalerweise sind die Kinder einer Schlemmerbande neun bis zwölf Jahre alt. In der neuen Gruppe in Schwendi-Schönebürg sind die jungen Köche fast schon im Azubi-Alter, aber es handelt sich auch um ein ganz besonderes Projekt. Die Vinzenz-von-Paul-Schule ist in der Trägerschaft der Stiftung Katholisch Freie Schulen und ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Die derzeit 86 Kinder und Jugendlichen bringen unterschiedliche Erfahrungen und Herausforderungen aus ihrem Alltag mit und finden hier ein Lernumfeld, das sie individuell unterstützt. Die Berufsorientierung nimmt in der Oberstufe einen wichtigen Stellenwert ein. Die Schülerinnen und Schüler haben in der 9. Klasse die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss zu erlangen.

Insofern sind die Koch-Doppelstunden mit der Schlemmerbande eine ideale Ergänzung im Programm. Die meisten Bandenmitglieder machen auch bei der Schülerfirma „Tolle Wurst“ mit und waren schon bei Caterings für Weihnachtsfeiern, Sommerfeste oder den Helferkreis Asyl Schwendi im Einsatz, wie die Lehrerin Kerstin Mittelbach berichtet. Sie begleitet beide Projekte – Schlemmerbande und Schülerfirma. Dennoch gibt es für den Küchenmeister Christopher König viel zu tun, zu zeigen – und manchmal auch anzusagen: „Auf Arbeitsflächen sitzen ist ein No-Go!“

Christopher „Chris“ König ist der Food Fighter und seit 2025 Mitglied der Meistervereinigung. Als Mietkoch kann man den Einzelkämpfer für alle möglichen Veranstaltungen buchen. Da er in der Landwirtschaft aufgewachsen ist, hat er einen besonders nachhaltigen Bezug zu den Produkten. Sein Wissen gibt er gerne weiter, zumal er nicht nur Küchenmeister ist, sondern auch eine Ausbildung zum Erlebnispädagogen hat. Und natürlich hat er auch ganz praktische Tipps: „Braten ist nicht Rühren“, also „nicht so viel wenden und schwenken, sondern anrösten!“

Zweierlei Gulasch mit zweierlei Knödel steht in der Vinzenz-von-Paul-Schule auf dem Programm. Die Schlemmerbande ist in zwei Gruppen unterteilt: Team Fleisch und Team Knödel. Team Zwiebel sind irgendwie alle, denn in Chris Königs Gulasch gehören genauso viel Zwiebeln wie Fleisch – ein Kilogramm, was zum konzentrierten Um-die-Wette-Schälen-und-Schneiden führt.

Nachdem das gemeinsam durchgezogen ist, geht es um angenehmere Dinge wie zum Beispiel Serviettenknödel herstellen. Weiches Toastbrot mit Eigelb, Eiweiß, Milch und mehr vermengen und einrollen. Früher – und manchmal heute noch – hat man das in Stoffservietten gemacht. Hier aber wird die Masse vor dem Dämpfen erst in Backpapier und dann in Alufolie eingewickelt. Mit jeder Rolle, die Ismael macht, wird das gleichmäßiger. Aber der 15-Jährige hat ja sogar schon bei einem Praktikum in eine Profiküche reingeschnuppert und zuletzt mit dem gleichaltrigen Adam zu Hause Lachs zubereitet. Adam macht mit seinem Vater am liebsten Couscous. Justins Mutter hat selbst einen Cateringservice. Auch Johanna, derzeit das einzige Mädel im Team, kocht manchmal in der Familie.

Die zwei Doppelstunden der Schlemmerbande inklusive Küche-Aufräumen sind vergangen wie im Flug. Am Ende können alle eine „mega“ Kombi miteinander genießen. Patricia Steiniger von der AOK-Kreisstelle Ulm-Biberach ist genauso angetan vom Ergebnis wie der Schulleiter Tobias Heep, der zum Schluss vorbeischaut und sich über ein tolles Mittagessen freuen kann. Nichts bleibt übrig, bis auf ein paar Chips, die ergänzend zum Rahmwirsing als Deko gemacht wurden. Aber auch die sind so mega, dass wir hier unbedingt das einfache Rezept weitergeben müssen.

Bei der Schlemmerbande Schwendi mit Christopher König wird Gulasch gemacht